CIP und SIP - Was verbirgt sich dahinter?
Zuletzt aktualisiert: 04 Februar 2026
CIP ist die Abkürzung für Clean-In-Place (Reinigung am Platz), SIP für Sterilize-In-Place (Sterilisation am Platz). Sowohl beim CIP als auch beim SIP erfolgt die Reinigung und Sterilisation der Geräte und Anlagen, ohne dass deren Zerlegung notwendig ist, direkt vor Ort beziehungsweise am Platz. Eine Demontage einzelner Komponenten, des kompletten Behälters oder gar der gesamten Anlage findet nicht statt. Das spart Zeit, Arbeit und somit Geld, weil die Methode die Personalkosten reduziert und Ausfallzeiten minimiert. All das bietet dem Unternehmen einen erheblichen Vorteil. Beide Verfahren ergänzen sich und sind üblicherweise nacheinander im Einsatz.
Das sind die größten Vorteile der beiden Methoden:
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Einhaltung der Produktsicherheit
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Reduzierung der Stillstandszeiten
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Erhöhung der Anlageneffizienz
Für welche Branchen eignen sich die Verfahren?
Verwendung finden die Systeme vor allem in Bereichen, in denen Hygiene essenziell ist, beispielsweise in der Pharma-, Kosmetik-, Getränke- und Lebensmittelindustrie. Relevant sind die Verfahren primär bei der Herstellung flüssiger und teils halbfester Darreichungsformen. Kurzum: Überall dort, wo sich organisches Material ansammeln und zersetzen kann und die Gefahr besteht, dass sich krank machende Bakterien und andere Mikroorganismen bilden, sind CIP und SIP erfolgreich im Einsatz.
Die automatisierten In-Place-Verfahren ermöglichen auch bei ständig wechselnden Produktionsprozessen und häufigen Reinigungsintervallen eine gründliche und schnelle Säuberung und Sterilisation, insbesondere der Rohre und Tankanlagen. Im Zusammenspiel erhöhen die beiden Systeme die Effizienz und die Sicherheit für den Verbraucher durch das zuverlässige Entfernen von Rückständen und die anschließende Eliminierung potenziell gesundheitsschädlicher Keime.
Was sind die Unterschiede zwischen CIP und SIP?
Die Gemeinsamkeit der zwei Methoden ist der Einsatz an innen liegenden Flächen in einem geschlossenen Anlagensystem. Beide Verfahren basieren auf dem gleichen Prinzip und bauen letztendlich aufeinander auf, erfüllen jedoch einen jeweils anderen Zweck. Die CIP-Reinigung findet immer zuerst statt, denn eventuell vorhandene Rückstände können die Dampfwirkung behindern und somit die zuverlässige und sichere Keimbekämpfung beeinträchtigen.
Der Ablauf sieht in vielen Betrieben folgendermaßen aus:
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Vorspülung mit Wasser
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Reinigung mit einer Lauge (alkalische Lösung)
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Ausspülen der Lauge mit Wasser
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Reinigung mit einer Säure
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Säure mit Wasser ausspülen
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Anlage thermisch mit Reindampf sterilisieren.
Das Verfahren endet nach der Sterilisation, denn eine anschließende Spülung führt zu einer Rekontamination der Anlage, insofern es sich dabei nicht um keimfreies WFI-Wasser handelt. In der Regel ist die Sterilisation jedoch der letzte Schritt vor der Produktion. Die Spülung mit Wasser ist Teil des CIP-Abschlusses und findet vor dem SIP statt. Nach der SIP erfolgt oft nur noch die Trocknung mit Sterilluft.
Was passiert bei der CIP-Methode?
Das Clean- oder Cleaning-In-Place-Verfahren übernimmt, wie bereits erwähnt, die Reinigung des gesamten Behälters oder der Anlage, ohne dass eine Zerlegung der einzelnen Komponenten erfolgt. Dabei handelt es sich heutzutage zumeist um einen vollautomatischen Prozess, der feste Zeiten sowie die vorgegebenen Parameter genauestens einhält. Die einzelnen Arbeitsschritte sind exakt definiert.
Der Säuberung liegt zumeist ein mehrstufiges Reinigungsprogramm zugrunde, das verschiedene Spülvorgänge und den Einsatz diverser Reinigungsmittel umfasst. Hierbei finden zum Beispiel neben dem Wasser spezielle Säuren und Laugen Verwendung. Diese hohe Geschwindigkeit stellt eine turbulente Strömung sicher, die für die mechanische Abreinigung von Biofilmen und Partikeln an den Innenwänden der Rohrleitungen essenziell ist. Auf diese Weise verschwinden Produktreste und andere herstellungsbedingte Verunreinigungen aus der kompletten Anlage. Dazu gehören die Rohre ebenso wie Pumpen, Ventile, Sensoren, Schaugläser und vieles mehr.
Niedrigere Temperaturen und eine geringere Geschwindigkeit sind oft weniger erfolgreich, weil in diesem Fall unter Umständen noch Verunreinigungen an der Anlage haften bleiben. Die Überprüfung der Reinigungsqualität erfolgt häufig im Anschluss mithilfe von Sensoren oder durch das Entnehmen und Kontrollieren von Proben. Die Effektivität der Reinigung wird im Rahmen der Reinigungsvalidierung beispielsweise durch den Riboflavin-Test nachgewiesen, um sicherzustellen, dass keine Sprühschatten in den Behältern oder Leitungen entstehen.
Wie funktioniert die Sterilisation im SIP-Verfahren?
Das SIP-Verfahren nutzt oft dieselben Leitungswege wie das CIP-System, basiert jedoch auf der thermischen Einwirkung von Sattdampf. SIP stellt eine Erweiterung der Reinigung dar, indem die Methode zusätzlich aktive und schädliche Mikroorganismen aus der Anlage entfernt. Das geschieht in der Regel mit 121 bis 134 Grad Celsius heißem gesättigtem Dampf. Im Pharmabereich ist fast ausschließlich Sattdampf im Einsatz.
Heißwasser, beispielsweise mit einer Temperatur von 80 bis 95 Grad Celsius, dient nicht der Sterilisation, sondern der Sanitisierung, der gezielten Herabsetzung von Mikroorganismen auf ein gesundheitlich unbedenkliches Level. Der Standardwert für die Sterilisation mit Sattdampf liegt bei 121,1 Grad Celsius (2,1 bar abs). Werte von rund 140 Grad Celsius sind extrem hoch, was die Dichtungen der Anlage nur unnötig belastet.
Der Einsatz chemischer Mittel wie gasförmiges Wasserstoffperoxid (VHP) beschränkt sich in der Regel auf die Dekontamination von Außenoberflächen und Reinraumbereichen, nicht jedoch auf den internen Fluidpfad der BFS-Anlage. Chemikalien im SIP-Schritt sind im pharmazeutischen Fluidpfad wegen der Rückstandsrisiken unerwünscht.
Ziel des gesamten Verfahrens ist die absolute Keimfreiheit, in der Fachsprache als „Sterilität“ bezeichnet. Vor allem bei der Herstellung von Lebensmitteln, Getränken und medizinischen Produkten genießt die Vernichtung potenzieller Krankheitserreger höchste Priorität. Andernfalls wäre der Konsument einer direkten Gefährdung ausgesetzt. Der Sterilisationsprozess ist in nahrungsmittelverarbeitenden Betrieben und in Pharmaunternehmen schon allein deshalb unverzichtbar, weil die Firmen strenge gesetzliche Hygienevorschriften einhalten müssen.