Digitalisierung in der Produktion: Effizienz steigern

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2026

Die Digitalisierung in der Produktion umfasst die Umwandlung von traditionellen, oft papierbasierten Abläufen in datengestützte Prozesse. Sie bedeutet nicht nur die „papierlose Fabrik“, sondern auch die präzise Erfassung und Verarbeitung relevanter Prozessdaten in Echtzeit. Das Ziel besteht darin, Produktionsschritte effizienter und transparenter zu gestalten.


Die Digitalisierung ermöglicht außerdem einen durchgängigen Datenfluss, der alle Produktionsstufen von der Rohstoffanlieferung bis zur Sekundärverpackung bzw. zum Versand miteinander verbindet. Häufig wird hierfür der Begriff Industrie 4.0 verwendet. Der zentrale Aspekt ist jedoch die enge Verbindung zwischen Produktion und IT, wodurch Unternehmen in die Lage versetzt werden, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.


Schlüsseltechnologien der Digitalisierung der Produktion

Wer digitalisieren will, braucht ein stabiles technologisches Fundament. Die Umsetzung stützt sich dabei auf mehrere Kerntechnologien, die die Grundlage für moderne, intelligente Produktionssysteme bilden.

Internet of Things (IoT) / Industrial IoT (IIoT)

Das Internet of Things (IoT) ist ein Netzwerk aus vielen Sensoren und Maschinen, das Daten wie zum Beispiel Extruderdruck, Sterilzeiten oder Füllvolumina automatisch sammelt. Im industriellen Umfeld meist als Industrial IoT (IIoT) bezeichnet. Hierbei fungieren industrielle IoT-Plattformen als zentraler Hub, der den Shopfloor direkt mit der IT-Ebene verknüpft. Das Ziel ist eine lückenlose Datenintegrität und die Reduzierung manueller Dokumentationsaufwände bei gleichzeitiger Erhöhung der Prozessstabilität.

Big Data & Analytics

Rohdaten allein helfen niemandem. Nur wenn diese riesigen Datenströme von Algorithmen gefiltert werden, entstehen aus Rohdaten dann wertvolle Prozess-Insights und Entscheidungsgrundlagen. Die enormen Datenmengen des IIoT werden durch Big Data analysiert, um versteckte Muster zu entdecken. Auf diese Weise lassen sich Qualitätsabweichungen vorhersagen, bevor eine Charge in Gefahr gerät. Ohne die frühzeitige Erkennung versteckter Muster könnten Chargen Qualitätsmängel wie falsche Dosierungen, Materialfehler oder Verunreinigungen aufweisen. Dies kann zu Produktrückrufen, erhöhtem Ausschuss oder Sicherheitsrisiken für Endkunden führen.

Cloud & Edge Computing

Wo kommen all diese Daten hin? Hier spielt das Duo aus Cloud und Edge seine Stärken aus. Während die Cloud Rechenleistung für standortübergreifende Langzeitanalysen bereitstellt (beispielsweise zur standortübergreifenden ERP-Integration oder Langzeitarchivierung), verarbeitet Edge Computing kritische Daten unmittelbar an der Anlage. Durch die Vereinigung der zwei Herangehensweisen wird ein effizientes Arbeiten mit geringen Latenzzeiten im laufenden Betrieb sichergestellt.

Künstliche Intelligenz (KI) & Machine Learning

Hier übernimmt KI die Rolle eines klugen Assistenten, der komplexe Verknüpfungen erkennt und Produktionsparameter proaktiv anpasst, bevor es zu Abweichungen kommt.


Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Prädiktive Instandhaltung (Predictive Maintenance)
  • Automatisierte Qualitätssicherung
  • Optimierung von Produktionsprozessen
  • Kollaborierende Roboter (kurz: Cobots)

Digitaler Zwilling (Digital Twin)

Ein virtuelles Abbild/eine digitale Simulation einer realen Maschine bzw. eines realen Prozesses. Er bietet Ingenieuren die Möglichkeit, Betriebsszenarien am Computer zu simulieren und zu testen, bevor sie diese praktisch umsetzen. So werden die Kosten und das Risiko, die mit dem Ausprobieren verbunden sind, erheblich gesenkt.


Chancen und Herausforderungen der digitalen Produktion

Der Einsatz digitaler Technologien und KI in der Produktion (besonders im GMP-Umfeld) bietet beachtliche Möglichkeiten, bringt jedoch auch Herausforderungen für Unternehmen mit sich.

Chancen

  • Optimierung mittels Echtzeitdaten: Die Analyse von Produktionslinien ermöglicht präzise Prognosen bezüglich der Marktnachfrage.
  • Prädiktive Instandhaltung (Predictive Maintenance): Reduzierung ungeplanter Ausfallzeiten und Wahrung der Sterilität durch rechtzeitige Instandhaltung.
  • Höhere Präzision & Effizienz: Reduzierung von Rohstoffverlusten und Energieverbrauch durch intelligent gesteuerte Fertigungsprozesse.
  • Flexibilität: Schnelle Anpassung der Fertigung an individuelle Kundenwünsche.

Herausforderungen

  • Hohe Investitionskosten: Signifikante Ausgaben für Infrastruktur, Software und Cybersicherheit (insbesondere kritisch für KMU). Neue Systeme müssen nahtlos in bestehende Altanlagen (Retrofitting) integriert werden, was oft komplex und kostenintensiv ist.
  • Fachkräftemangel: Bedarf an Experten, die sich sowohl in den spezifischen Produktionsverfahren als auch in der digitalen Datenanalyse gut auskennen.
  • Risikomanagement: Erforderlichkeit klarer Strategien zur Bewältigung technischer und finanzieller Risiken. Auch die Integrität und Verlässlichkeit der Daten müssen sichergestellt werden.
  • Belegschaftsanpassung: Großer Bedarf an Umschulungen und Weiterbildungen, damit Mitarbeitende sich an die neue Arbeitsumgebung anpassen können.


Leitfaden zur schrittweisen Digitalisierungsumsetzung

Die Digitalisierung in der Produktion geschieht nicht über Nacht. Es ist ein schrittweiser Prozess, der oft anhand eines Reifegradmodells beschrieben wird:

1. Standardisierung & Datenintegrität

Bevor komplexe KI-Methoden oder Algorithmen verwendet werden, müssen die Grundlagen stimmen. Das heißt, bevor Software implementiert wird, müssen Prozesse validiert und Datenstrukturen definiert werden. Die Übertragung von Daten erfolgt dann in zentrale, validierfähige Systeme (z. B. MES oder SCADA) statt in unsicheren Tabellenkalkulationen.

2. Asset Connectivity (IoT-Basis)

Das gesamte Werk muss nicht über Nacht verändert werden. Zu Beginn werden an wichtigen Produktionsstationen passende Sensoren und Messsysteme eingesetzt. Die Überwachung der Maschinenverfügbarkeit liefert immer die erste Basis für eine datengestützte Steuerung.

3. Datenanalyse und lokale Optimierung

Sobald Daten aus etwa 3-6 Monaten Betrieb gesammelt wurden, werden grundlegende Analysetools genutzt, um Engpässe zu identifizieren. Ein paar Beispiele:

  • Gibt es Korrelationen zwischen einer bestimmten Rohstoffcharge und Schwankungen in kritischen Prozessparametern (beispielsweise Druck oder Temperatur)?
  • Kann man die CIP/SIP-Zyklen ohne Risiko straffen?

Die Lösung dieser spezifischen Probleme mithilfe von Daten ist die wichtige Grundlage für den späteren Einsatz von KI.

4. Schulung der digitalen Kompetenzen des Teams

Technologie ist nur ein Werkzeug, die Menschen sind aber die Anwender. Die beste Technik bringt nichts, wenn die Leute sie nicht bedienen wollen oder können. Daher sind gezielte Qualifizierungsmaßnahmen notwendig, um die Akzeptanz und die sichere Bedienung der digitalen Systeme zu gewährleisten. Der Zusammenhalt des Produktionsteams ist maßgeblich für den Erfolg der Digitalisierungsprojekte.