Sterile Abfüllung: Verfahren, Anforderungen und technologische Umsetzung

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2026

Die sterile Abfüllung ist ein pharmazeutisch-technischer Herstellprozess, bei dem flüssige oder halbfeste Produkte unter streng kontrollierten Bedingungen in sterile Primärbehältnisse abgefüllt und unmittelbar hermetisch verschlossen werden. Während bei klassischen Verfahren vorsterilisierte Behältnisse zum Einsatz kommen, werden diese bei der Blow-Fill-Seal-Technologie (BFS) unmittelbar im Prozess aus der Kunststoffschmelze geformt, wodurch die Behälterinnenseite bereits unter sterilen Bedingungen entsteht. Ziel ist es, die mikrobiologische Reinheit des Endprodukts dauerhaft sicherzustellen und eine Kontamination während des Füll- und Verschlussvorgangs auszuschließen. Verfahren wie diese kommen vornehmlich dann zum Einsatz, wenn eine nachträgliche Endsterilisation nicht möglich ist oder die Produktqualität beeinträchtigen würde.

 

Reinraumbedingungen und Prozesskontrolle

Die Herstellung erfolgt in qualifizierten Reinräumen mit definierten Luftreinheitsklassen und unterliegt regulatorischen Vorgaben wie den EU-GMP-Richtlinien (insbesondere Annex 1). Diese werden von der Europäischen Kommission im EU-GMP-Leitfaden veröffentlicht. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) koordiniert das europäische Behördennetzwerk; die nationalen zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten (NCAs) sind für Inspektionen sowie die Überwachung der Einhaltung verantwortlich. Für den globalen Marktzugang, insbesondere in die USA, ist zudem die Konformität mit den CGMP-Vorschriften der FDA (21 CFR 210/211) entscheidend.

Neben der Umgebung werden sämtliche produktberührenden Komponenten validiert sterilisiert. Dies betrifft:

  • Behältnisse (bei BFS prozessintegriert erzeugt)
  • Verschlüsse
  • Leitungen
  • Maschinenteile

Zusätzlich minimieren Barriere- oder Isolatortechnologien (wie RTP-Systeme) den Einfluss von Personal und Umgebungslufteinträgen. Um die Prozessstabilität zu gewährleisten, kommen validierte Reinigungs- und Sterilisationsverfahren (CIP/SIP), ein kontinuierliches Partikel- und Keimmonitoring sowie umfassende In-Process-Kontrollen zum Einsatz.

 

Prozessschritte

Typische Prozessschritte einer entsprechenden Anlage sind:

  1. Vorbereitung und Sterilisation von Produkt, Primärpackmitteln und produktberührenden Anlagenteilen.
  2. Bereitstellung des Produkts in geschlossenen, sterilen Transfersystemen.
  3. Abfüllung unter Reinraumbedingungen (Klasse A).
  4. Sofortiger, hermetischer Verschluss der Behältnisse.
  5. Optionale terminale Sterilisation der verschlossenen Endbehältnisse (z. B. im Autoklaven bei PP-Behältnissen).
  6. Integritätsprüfungen (z. B. 100 % CCI-Prüfung) und qualitätssichernde Kontrollen (z. B. AOI).

Bei der BFS-Technologie sind die Schritte Formen, Füllen und Verschließen in einem einzigen, geschlossenen Anlagenbetrieb integriert. Ob Schritt 5 durchgeführt wird, hängt von der thermischen Stabilität der Formulierung ab. Viele moderne Wirkstoffe wie Biopharmazeutika sind temperaturempfindlich; für diese kommt oft ein spezielles „cool-BFS“-Verfahren zum Einsatz, um die thermische Belastung während der Formung zu minimieren.

 

Abgrenzung zur aseptischen Abfüllung

Obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es eine klare Definition: „Steril“ beschreibt den Zustand der Keimfreiheit (Abwesenheit lebensfähiger Mikroorganismen), während „aseptisch“ die Gesamtheit der Maßnahmen und Verfahren bezeichnet, um diesen Zustand während der Herstellung und Abfüllung aufrechtzuerhalten. Aseptische Verfahren wie BFS zielen primär auf die Prävention von Kontamination ab, um die Sterilität des Produkts ohne die Notwendigkeit einer qualitätsmindernden Endsterilisation zu gewährleisten.

 

Technologische Umsetzung: Die Blow-Fill-Seal-Methode (BFS)

Eine etablierte Technologie ist das BFS-Verfahren, bei dem Kunststoffgranulat extrudiert, zum Behälter geformt, befüllt und hermetisch versiegelt wird. Ein technologischer Anbieter dieser Systeme ist Rommelag mit den bottelpack-Anlagen. Durch den Wegfall externer Handhabungsschritte reduziert sich das Kontaminationsrisiko deutlich. Das Verfahren eignet sich für Einzeldosen (SVP) wie auch großvolumige Anwendungen (LVP).

 

Anwendungsbereiche

Typische Einsatzfelder sind:

  • Pharmazeutika: z. B. Injektions- und Infusionslösungen, Ophthalmika (wie Augentropfen), Biologika, Impfstoffe und Inhalationslösungen.
  • Diagnostik: Reagenzien, Pufferlösungen, Testmedien.
  • Kosmetik: sterile Cremes, Lotionen oder Seren ohne Konservierungsstoffe.
  • Veterinärmedizin: parenterale Präparate.

 

Vorteile und technische Besonderheiten

Die sterile Abfüllung mittels BFS-Technologie bietet gegenüber konventionellen Verfahren signifikante Vorteile in Bezug auf Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Durch die vollständige Integration von Behälterformung, Befüllung und Verschluss in einem System werden kritische Schnittstellen eliminiert.

Die wesentlichen Vorteile im Überblick:

  • Minimierte Kontaminationsrisiken: Da die Behälter unmittelbar aus der heißen Kunststoffschmelze geformt und im geschlossenen System befüllt werden, entfallen externe Transport- und Reinigungsschritte der Primärpackmittel.
  • Reduzierte Bedienereingriffe: Der hohe Automatisierungsgrad minimiert den Einfluss des Faktors Mensch – eine der Hauptquellen für Kontaminationen in der aseptischen Fertigung.
  • Hohe Prozessstabilität: Validierbare CIP/SIP-Zyklen und ein kontrolliertes CCS (Contamination Control Strategy) sorgen für reproduzierbare Ergebnisse auf höchstem Qualitätsniveau.
  • Flexibilität und Effizienz: Das Verfahren ermöglicht die wirtschaftliche Herstellung von Einzeldosisformaten ohne Konservierungsmittel, was besonders für moderne Biopharmazeutika essenziell ist.

Durch diese Eigenschaften ist die sterile Abfüllung bei Rommelag nicht nur ein Herstellungsverfahren, sondern ein entscheidender Sicherheitsfaktor für die Integrität hochsensibler pharmazeutischer Formulierungen.